
Gutmensch
Freitag, 23. November 2007Einer, der für alles Verständnis hat und alles rechtfertigen kann, was die Opfer seiner positiven Gefühle tun. Ein Gutmensch fordert, dass man sich die „Ursachen“ des Verhaltens einer Person oder einer Gruppe von Personen ansieht und versteht, dass diese durch gegen sie geübte Ungerechtigkeit(en) und Verzweiflung motiviert wird. Andere Motive, wie z. B. ideologische Verblendung sind nicht oder nur durch sehr lange verübte Ungerechtigkeiten bzw. sehr lange vorhandene Verzweiflung möglich.
Ursache dieser Ungerechtigkeiten bzw. der Verzweiflung ist immer der Westen – durch seine koloniale Vergangenheit, seine technologische, wirtschaftliche oder sonstige Überlegenheit, die er nicht in ausreichendem Maße teilt, durch seinen Reichtum, den er nicht in ausreichendem Maße an die Armen ausschüttet, durch Kriege, die er geführt hat. Die Minderheiten bzw. ihre Angehörigen haben Ansprüche, die der Westen befriedigen muss. Sie müssen unter allen Umständen geschützt werden und ihre „kulturellen Eigenheiten“ und Prinzipien leben können, auch wenn das der Mehrheitsgesellschaft schaden sollte.
Dieses Verständnis und die Liebe der Gutmenschen gilt allen, die irgendwie Minderheiten sind oder revolutionäre Ansprüche stellen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Angehörigen dieser Minderheit muslimisch sind oder links(extrem), also aufgebrachte Karikaturen-Verurteiler, Besucher von Moscheen, deren Imame keinerlei Deutsch sprechen, RAF-Angehörige, Hugo Chavez, iranische Mullahs, Saddam Hussein-Fans im heutigen Irak, von selbst explodierende Palästinenser, „Aufständische“ und „Militante“, die im Nahen/Mittleren Osten hauptsächlich Muslime ermorden, aber auch gerne mal Westlern vor laufender Kamera den Hals durchschneiden, usw.
Auf keinen Fall können unterstützt werden: (evangelikale) Christen, Amerikaner, Konservative/NeoCons (oder noch weiter rechts Stehende, sollte das überhaupt möglich sein), Israelis (falls sie nicht, wie Uri Avnery, Mosche Zimmermann, Yossi Beilin et. al., staats-selbstmörderische Ansichten vertreten und palästinensische Terroristen zu den einzig rechtmäßigen Erben des Landes zwischen Jordan und Mittelmeer erklären), Diaspora-Juden, die Israel nicht in Grund und Boden verdammen.
Die Lösung sämtlicher Konflikte könnte so schön ausschließlich im Dialog liegen, wenn es diese furchtbare Gruppe kriegshetzerischer Leute nicht gäbe, die nicht unterstützt werden dürfen (s. vorheriger Absatz). Dialog ist das ausschließliche Mittel der Auseinandersetzung, selbst wenn der Gegenüber nicht einen Millimeter von seiner Linie abweicht. Der Dialog kann über Jahrzehnte geführt werden; er kann „kritisch“ sein und wird auf jeden Fall Erfolg haben. Er kann von Terror des Dialogpartners begleitet sein, dann muss man das halt ertragen, ihm Forderungen erfüllen und nachgeben, bis er bereit ist, auf den Dialog einzugehen. Notfalls muss man dadurch kollektiven Selbstmord begehen, aber man darf auf keinen Fall zur Waffe greifen oder mit militärischen Mitteln gegenhalten, sonst ist man der Aggressor und die Chance auf eine Lösung ist vergeben. Dann ist der Terrorist Opfer des aggressiven Verhaltens und in seinem Tun erneut gerechtfertigt.
Andererseits ist einem Amerikaner, besonders einem Regierungsmitglied, Widerstand zu leisten, die Stirn zu bieten; das zwar mit nicht gewalttätigen Mitteln, aber es gibt ja genügend andere Möglichkeiten, die den Opfern des Westens nicht zur Verfügung stehen. Auch sich dieser Position nicht anschließenden Israelis muss man in den Arm fallen, damit sie nicht weiter so handeln wie die Täter der 1.000 Jahre der dunklen Zeit im 20. Jahrhundert.
Innenpolitisch dürfen Intensivtäter nicht zu hart angefasst werden, sollten sie einer der geliebten Minderheiten angehören. Deutsche Täter sind mit äußerster Härte zu bestrafen, sollten sie sich als „rechts“ erweisen; sind sie unterprivilegiert, sind sie mit den anderen Tätern auf Freizeiten ins Ausland zu schicken, damit sie mal was anderes kennenlernen und die Ursache ihrer Verzweiflung und ihres Frustes erkennen; diese ist dann mit intensiver Betreuung durch Sozialarbeiter zu bewältigen.
Angriffe auf Angehörige der Minderheiten (Dunkelhäutige, Muslime) sind grundsätzlich als rechtsradikal einzustufen und rassistisch motiviert. Sollte sich herausstellen, dass das dann doch nicht der Fall ist, so ist darüber Schweigen zu bewahren, um den Aufstand der Anständigen nicht zu gefährden.
Absolutes Kennzeichen von Gutmenschen ist: Sie lassen alle ihre sonstigen Prinzipien und Grundsätze fallen, wenn es um die geliebte Minderheit geht. Diese Minderheit darf alles, was keinem sonst erlaubt ist: Frauen schlagen und verstümmeln, intolerant sein und aggressiv gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner agieren. In diesem Fall schweigen Feministinnen, kuschen Anti-Gewalt-Dozierer und Kriegsgegner. Sie treten immer erst dann auf den Plan, wenn jemand den Tätern entgegen tritt und erklären dann den Täter zum Opfer desjenigen, der dem bösen Spiel ein Ende setzen will.
Dass der Gutmensch durch Appeasement-Versuche zu einem Kollaborateur von Terroristen, Unterstützer von Tyrannen und Helfer von Feinden der freien Welt wird und an der Vernichtung dieser freien Welt aktiv mitarbeitet, streitet er kategorisch ab, behauptet genau das Gegenteil – nämlich die Freiheit – zu vertreten und die Welt vor Leuten wie Bush zu retten.
Nachtrag (23.10.07):
Man kann es natürlich auch so schön kurz zusammengefasst sagen, wie BILD-Chefredakteur Kai Diekmann (wobei ich beim genannten Vorbild vor allem das „abseitig“ betont sehen möchte): Gutmenschen sind die säkulare Form des pietistisch-abseitigen Frömmlers: Voll des Glaubens an das Gute im Menschen, unbeirrt von Fakten, ohne Vorstellung von der Welt, dafür mit dem festen Willen, dass das gut Gemeinte auch das Gute sei.
Das Problem: Nach dem „Marsch durch die Institutionen“ sitzen die Eiferer des guten Herzens an gesellschaftlichen Schaltstellen: in Schulen, Behörden, auf Richterbänken, in Politik und Medien. Ihre Weltsicht, vor allem aber ihr Katechismus der Güte und grundsatzfreien Toleranz, bestimmt nun Notenvergabe, Asyl- und Hartz-IV-Verfahren, Urteile und Gesetze – und häufig auch die Berichterstattung.


Vielen herzlichen Dank für diese(n) Beitrag/Definition. Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist mit seinem Denken. Diese Armada manipulativer und freiheitsfeindlicher Moralapostel muss öffentlich entlarvt und schliesslich nachhaltig (ich verwende mit Absicht deren Vokabular..) bekämpft werden. Ansonsten ist es eine Frage der Zeit, bis Orwells und Huxleys Visionen schreckliche Realität werden.