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Neger

Freitag, 23. November 2007

Früher war das einmal eine unschuldige Beschreibung von Menschen mit dunkler bis sehr dunkler Hautpigmentierung, die vorwiegend aus „Schwarzafrika“ (also Afrika von der mittleren Sahara bis zum Kap der Guten Hoffnung) stammten.
Negativ „ergänzt“ wurde der Begriff durch ein mit „igg“ in der Mitte ausgesprochenes Wort, der als von Rassisten verwendet wurde und entsprechend abwertend udn beleidigend gemeint war. Im Zuge der Radikalisierung des „schwarzen“ Teils der US-Bürgerrechtsbewegung wurden beide Begriffe als rassistisch gebrandmarkt und auch in Europa wurde „Neger“ auf einmal als Schimpfwort definiert. Zunächst wurde er dann durch „Schwarze“ ersetzt, aber weil es zu viele Schattierungen gibt, bei denen Schwarze gar nicht so „schwarz“, sondern eher braun sind, muss man inzwischen „Afrikaner“ sagen.

Das hat interessante Folgen: Wenn ein „Afrikaner“ in Deutschland geboren ist, die deutsche Staatsbürgerschaft hat und noch nie in Afrika war, warum muss er dann immer noch als Afrikaner bezeichnet werden? Ist das nicht rassistischer als „Neger“?
Und was ist mit Weißen, die seit Generationen in Afrika leben und sich als Afrikaner verstehen? Darf man die nicht „Afrikaner“ nennen, nur wegen ihrer Hautfarbe? Auch das wäre rassistisch.

Besonders „lustig“ wird es dann, wenn man mit Kindern das Buch „Die Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner liest. Die Kinder gehen das ganz unbefangen an; man kann mit ihnen über die Idee sprechen, die dahinter steckt: dass Kriege abgeschafft werden sollen. Ein Buch für die Friedensbewegung und gegen Diskriminierungen. Und auf einmal fragt dann einer: „Kann es sein, dass der Herr Kästner ein kleiner Rassist war?“

Dem Erwachsenen Kenner fällt die Kinnlade herunter. Ausgerechnet Kästner ein Rassist? Wie kommt der darauf?

Ganz einfach: Kästner hat beschrieben, wie die Tiere von jedem Kontinent ein Kind „entführen“. In Afrika war das – man bedenke, er hat das Ende der 1940-er Jahre geschrieben – natürlich ein „Negerjunge“. Und das steht heute noch so im Buch, es wurde nicht geändert. Weil aber „Neger“ heute als rassistisch gilt, meinte der kleine Leser trotz allen Besprechens der Absichten des Buches und des Autors, dass er doch ein Rassist sein müsste.

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