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Pazifismus

Freitag, 23. November 2007

Nach Angaben meines 20-bändigen Universallexikons ist Pazifismus die „absolute Kriegsgegnerschaft aus ethischen und praktischen Überlegungen, im weiteren Sinne die Bezeichnung für Friedensbewegungen, die den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ausschalten wollen“. (Wenn man dann noch liest, dass die Quäker eine der frühen Vorläufer der pazifistischen Bewegung waren, wundert man sich nicht mehr so sehr, dass eine eigentlich bibelorientierte Denomination das Volk des Gottes ihrer heiligen Schrift wegen seiner Selbstverteidigung verunglimpft und beschimpft.)

Die Friedensbewegung(en) und der Pazifismus haben allerdings eine Schwäche, die die Umsetzung ihrer Ideale in die Realität nicht nur behindern, sondern mehr oder weniger unmöglich machen: Es braucht zwei dafür. Und manchmal reichen nicht einmal die aus, wie Beispiele aus Gegenwart und Vergangenheit zeigen.

Dass es mindestens zwei braucht, macht ein einfaches Beispiel deutlich: Klein-Bullistan will seinen Willen durchsetzen und um das zu erreichen, fängt der Boss von Klein-Bullistan an zu drohen und zu fordern, beleidigt zu sein und zu schimpfen. Weil das nicht ausreicht, um die Drohungen glaubhaft zu machen, geht der Boss von Klein-Bullistan hin und rüstet auf. Der Kollege in Klein-Pazistan ist der Meinung, dass man mit friedlichen Mitteln jeden Konflikt bereinigen kann. Er gibt Forderungen nach Geldern nach, er gibt Forderungen Vorrechten nach, freut sich über seine „Kompromiss-Lösungen“, die den Frieden erhalten. Was wird der Boss von Klein-Bullistan denken? „Ach, ist der Präsi von Klein-Pazistan doch ein lieber, guter Mensch, jetzt lassen wir ihn mal in Ruhe, wir wollen doch alle Frieden“? Oder ist es doch nicht eher so, dass der Boss sagt: „Die haben sich bisher allen Forderungen gebeugt, wir können weiter gehen und neue Forderungen stellen und erfüllt bekommen, bis wir sie ganz eingenommen haben“?

So denn auch zum Beispiel beim GröFaZ: Nachdem er 1935 ins Rheinland einmarschiert war und dann die Wehrpflicht eingeführt hatte, gaben ihm die Westmächte Österreich praktisch kampflos – niemand kümmert sich drum – und 1938 war das Sudentenland fällig. Dass im Frühjahr darauf die gesamte Tschechei besetzt wurde, war schon nicht mehr der Rede wert. Erst als der Überfall auf Polen statt fand, merkten die Westmächte, was da wirklich im Gange war und wo sie mit ihrem Pazifismus gelandet waren. Fast sechs Jahre Weltkrieg mussten dafür sorgen, dass die ursprünglichen Folgen der Gier des Diktators rückgängig gemacht wurden – mit Millionen Toten und grausiger Zerstörung und Vernichtung, die der von den Pazifisten mit zu verantwortende Krieg mit sich brachte. Im zweiten Band der Zions-Passion von Bodie Thoene spricht ein Journalist mit einem Londoner Taxifahrer, der in typisch pazifistischer Manier die Gefahr Nazi-Deutschlands ignorierend der Meinung ist, dass Österreich unbedeutend ist und überhaupt, die spanische Armada war auf dem Meeresgrund gelandet und selbst Napoleon habe klein beigeben müssen. Der Journalist darauf: „Napoleon und die Spanier hatten keine Flugzeuge. Das wäre vielleicht einen Gedanken wert, was? Es hat mich weniger Zeit gekostet den Kanal zu überqueren, als mit dem Taxi hierher zu fahren. Die Nazis haben Flugzeuge. England hat Pazifisten.“

Heute haben sich die Pazifisten weiter entwickelt. Sie würden nicht mehr, wie seinerzeit die erschütterten Chamberlain und Daladier, dann am Ende doch noch den Kriegstreibern den Krieg erklären, sie würden sie weiter gewähren lassen. Denn heute sind sie noch konsequenter als damals. Und wenn nur die Israelis der PLO über nachgeben und sich mit dieser einigen würden, dann wäre alles in Ordnung. Und wenn doch nur die Amerikaner die Finger aus der Welt lassen würden, dann wäre alles in Ordnung und der Friede bräche aus. Dann wäre zwar Kuwait weiterhin durch Saddam besetzt und vermutlich die Bevölkerung zum allergrößten Teil ermordet, aber was gehen uns die Stammeskriege im Osten an.

Eines der besten Beispiele für pazifistische Intervention stellt der Sudan dar. Seit Jahrzehnten gibt es dort Mord und Totschlag. Unternommen wird nichts – außer gelegentlich der Vorwurf an die Amerikaner, warum sie denn dort nicht eingreifen, statt die Taliban oder Saddam bzw. inzwischen die von den Mullahs unterstützten Terroristen zu bekämpfen.

Was jetzt Israel angeht, so wird ja begeistert registriert, dass sie Mahmud Abbas und Ehud Olmert treffen und gehofft, dass sie sich einigen. Und dabei machen nicht nur die Pazifisten denselben Fehler wie sie ihn bei den Atom-Abrüstungsabkommen zwischen den USA und der UdSSR machten: Sie lassen außen vor, dass es weitere „Spieler“ gibt. Im Fall der Atomraketen beispielsweise die Chinesen. Im Fall Israels die übrigen Terrorgruppen, mal ganz abgesehen von den „netten“ Nachbarn, besonders Syrien und dem Libanon.

Solche Berücksichtigungen gehen allenfalls „Kriegstreiber“ etwas an. Pazifisten denken nicht einmal so weit, dass die Verhandlungen in dieser Art statt finden. Dort müssten die Israelis sich anhören, was die Terroristen zu sagen haben, den Forderungen zu 99-100% nachgeben und fertig. Was geht es uns an, dass die Islamisten mehr wollen – dass nach den „Samstagsleuten“ auch die „Sonntagsleute“ dran sind? Dass es nicht aufhören wird? Dass immer weitere Forderungen gestellt werden? Dass nur eins dagegen hilft: Sich dagegen auch militärisch zu wappnen, diese militärischen Mittel auch einzusetzen bereit zu sein und diese auch einzusetzen, wenn die übrigen Mittel sich als unwirksam erwiesen haben (wie es bei Saddam war, wie es im Sudan der Fall ist, wie es bei Hitler war – und wie es übrigens auch beim Iran der Fall ist, der aus inzwischen 27 Jahren „kritischem Dialog“ gelernt hat, dass er alles durchsetzen kann, was er will, weil der Westen – vielleicht mit Ausnahme der Amerikaner irgendwann – doch nichts unternimmt, um sich die Geschäfte verderben zu lassen.

Pazifismus steht also zwar für „absolute Kriegsgegnerschaft aus ethischen und praktischen Überlegungen“, aber genauso für völlige Ignoranz gegenüber den Leiden anderer Menschen, die unter Despoten, Tyrannen, Mördern leiden. Ebenso dafür, dass Konflikte nicht gelöst werden, dass Diktaturen nicht entgegen getreten wird, dass diese im Gegenteil ständig ermutigt werden noch dreister zu agieren. Und Pazifismus steht noch mehr dafür, dass die Gewalt und die Unterdrückung sich weiter ausbreiten dürfen, weil Pazifisten ihnen alles aus dem Weg räumen, was wirklichen Widerstand bedeuten würde. Pazifismus verursacht genau das Gegenteil dessen, was als sein Ziel angegeben ist. Wer Pazifismus vertritt, verursacht Unterdrückung und Unfreiheit. Wer pazifistische Methoden nutzt, bereitet der Freiheit und der Demokratie den Untergang. Leider.

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