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Jerusalem-Syndrom

Mittwoch, 28. November 2007

Eigentlich eine psychische Krankheit, die Personen „befallen“ kann, die Jerusalem besuchen. Wikipedia gibt an:

Das Jerusalem-Syndrom bezeichnet eine psychische Erkrankung, von der vereinzelt Besucher oder Einwohner der Stadt Jerusalem betroffen sind.

Die Erkrankung besitzt den Charakter einer Psychose und äußert sich als Wahnvorstellung: Der oder die Betroffene identifiziert sich vollständig mit einer heiligen Person aus dem Alten oder Neuem Testament und gibt sich als diese aus…

Die Identifizierung als biblische Person geht einher mit einer entsprechenden Selbstdarstellung und wird oft begleitet von öffentlichen Predigten oder Gebeten des Erkrankten. Auch legen diese häufig ihre Kleidung ab und hüllen sich statt dessen in weite Gewänder oder Bettlaken.

Die Bezeichnung Jerusalem-Syndrom stammt vom israelischen Arzt Yair Bar El, der Anfang der 1980er Jahre als erstes dieses Krankheitsbild diagnostizierte und seitdem über 400 Betroffene in der psychiatrischen Klinik „Kfar Shaul“ behandelt hat. Grundsätzlich ist die Erkrankung nicht gefährlich und die Betroffenen sind in der Regel nach wenigen Tagen vollständig genesen. Allerdings zeigte die große Mehrzahl der erkrankten Personen bereits vor dem Jerusalem-Syndrom psychische Auffälligkeiten, so dass eine gewisse Disposition vorausgesetzt werden kann. Ein extremes Beispiel einer Tat, die wegen ihrer religiöser Motivation dem Jerusalem-Syndrom zugeordnet wurde, war jedoch der Brandanschlag auf die Al-Aqsa-Moschee durch den australischen Touristen Michael Rohan im Jahre 1969.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Protestanten deutlich häufiger betroffen sind als katholische Christen.

Es scheint aber eine weitere Form von Jerusalem-Syndrom zu geben, die Moritz Schuller im Tagesspiegel beschrieb und das vorzugsweise amerikanische Präsidenten im fernen Washington D.C. befällt statt in Jerusalem:

Doch Bush hat sich vorgenommen, im letzten Jahr seiner Amtszeit lieber den Nahostkonflikt zu lösen. Warum auch nicht, schon Bill Clinton hatte Ehud Barak und Jassir Arafat in Camp David eingeschlossen, um sie erst wieder rauszulassen, wenn der Konflikt gelöst sei – nur damit sein Name nicht nur im Kapitel „Lewinsky“ des Geschichtsbuchs erscheinen möge. Gelöst wurde der Nahostkonflikt dennoch nicht.

Dieses Jerusalem-Syndrom tritt also gegen Ende der Amtszeit eines US-Präsidenten auf. Es wirkt sich in Druck auf Israel aus, den pal-arabsichen Terroristenregimen Zugeständnisse zu machen, damit die endlich nett und freundlich werden, das aber nicht unbedingt tun müssen, weil keiner von ihnen verlangt, dass sie ihre Friedensabsichten durch Taten beweisen.

Weiter gefasst gibt es noch ein Jerusalem-Syndrom, das der gutmenschlichen Retter der Welt, die nirgendwo etwas wirklich Böses entdecken können außer bei Israel und den USA. Die sind – wie der jeweils befallene US-Präsident vor dem Ende seiner Amtszeit – davon überzeugt, dass es ohne den israelisch-palästinensischen Konflikt ihn ja angeblich gar nicht gäbe, den Kampf der Kulturen, auch den Diktator in Syrien nicht, die Taliban, die fundamentalistischen Terroranschläge weltweit, die ökonomische und intellektuelle Abkopplung vieler arabischer Länder vom Rest der Welt. Und sie sind sich einig – und das ist das Hauptsymptom: In Nahost wird eines Tages die Welt gerettet.

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