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Bananen-Monarchie

Samstag, 14. Februar 2009

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien) – „Monarchie“, weil es die Queen gibt – „Republik“ geht nicht. Dr. Marc Oliver Hartwich einige Jahre dort gelebt, bevor er nach „Down Under“ ging. Er berichtet aus eigenem Erleben auf der Insel und seiner Wahrnehmung aus der Ferne, wieso das Königreich eine Bananenmonarchie ist:

Die Verweigerung der Einreiseerlaubnis für Geert Wilders ist nur der letzte Mosaikstein, der sich in das Gesamtbild Großbritanniens nahtlos einfügt. Noch übertroffen wurde die Entscheidung allerdings von der Begründung, die der Vorsitzende des Innenausschusses im britischen Parlament, der Labour-Abgeordnete Keith Vaz, gestern Abend in der BBC-Sendung Newsnight nachlieferte. Von einem gemäßigten Muslim gefragt, warum dieser nicht mit Wilders über dessen Film Fitna debattieren dürfe, antwortete ihm Vaz, dass er das doch selbstverständlich könne. Er müsse sich nur in ein Flugzeug setzen und nach Amsterdam fliegen. Eine originelle Begründung fürwahr. Britische Staatsbürger genießen also Rede- und Meinungsfreiheit, wenn sie denn nur vorher ihr Land verlassen. Wenn das der Maßstab ist, dann gibt es auch in Diktaturen Meinungsfreiheit, nur eben nicht zu Hause.

Praktisch auch für die britische Regierung, dass sich die Opposition vorsorglich gleichgeschaltet hat. Deren innenpolitischer Sprecher Chris Grayling erklärte nämlich lediglich, dass er sich in Zukunft eine konsequentere Anwendung von Einreiseverboten auch für muslimische Extremisten wünsche. Dass es da zwischen Hass- und Gewaltpredigern einerseits und dem gewählten Parlamentarier und EU-Bürger Wilders andererseits einen Unterschied geben könnte, darüber sah Grayling gerne hinweg. Aber das muss man ihm nachsehen, denn nächstes Jahr wird in Großbritannien gewählt, und die Konservativen werden den Teufel tun und es sich nun mit der muslimischen Wählerschaft verscherzen.

Aber genau genommen ist eben dies das ganze Wahlprogramm der Tories, nämlich niemandem weh zu tun…

So schlafwandelt Großbritannien munter seinem moralischen, politischen und ökonomischen Bankrott entgegen…

… fragen darf, warum die Innenministerin über 100.000 Pfund für die Renovierung ihres Eigenheims erhalten konnte, von dem sie behauptete, es handele sich nur um ihre Zweitwohnung. Oder man könnte darüber spekulieren, warum ein Land von ein paar Zentimetern Schnee so lahmgelegt werden kann, dass sogar die Londoner Busse in den Depots bleiben. Das hatte nicht einmal die Luftwaffe geschafft.

Großbritannien ist auf dem besten Wege, wieder zum Kranken Mann Europas zu werden, wenn es das nicht schon längst ist. Das ist kein Grund zur Schadenfreude, sondern zur Trauer über ein ehemals großartiges Land. Was muss eigentlich noch passieren, bevor die Briten auf die Barrikaden gehen?

Ich jedenfalls werde an dem Tag, an dem der Internationale Währungsfonds in Großbritannien die Regie übernimmt, eine Flasche Champagner köpfen. Wahrscheinlich ist Hilfe von Außen die einzige Möglichkeit, dieses Land noch vor seiner eigenen politischen Klasse zu retten.

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