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Nationalpazifismus

Montag, 1. Juni 2009

Ein offenbar in direktem Zusammenhang mit „Nationalsozialismus“ gewählter Begriff über die „Lehren“ „der Deutschen“ aus genau diesem und dem Zweiten Weltkrieg, weil er mit derselben Inbrunst betrieben wird wie die Huldigung und Nachfolge des Führers im Tausendjährigen Reich. Der Weblog Sicherheitspolitik, bei dem ich diesen Begriff erstmals sah, schreibt:

Die sicherheitspolitische Kultur Deutschlands unterscheidet sich von der anderer westlicher Staaten durch ihre betonte Zurschaustellung des Gefühls moralischer Überlegenheit über jene Staaten, deren sicherheitspolitisches Handeln sich nicht nur auf symbolischer Ebene bewegt. In allen politischen Lagern scheint man zu meinen, dass deutsche “Friedenspolitik” der Schlüssel zu sämtlichen Problemen sei. Das Selbstbewusstsein, mit dem diese Wahrnehmung vorgetragen wird, wirkt angesichts der realen Leistungsbilanz deutscher Sicherheitspolitik unangemessen und manchmal auch etwas aggressiv.

Dazu wird ein Kommentar aus dem Blogbereich des Commentary Magazine, contentions, angeführt:

Die Deutschen befinden sich im Prozess sich selbst als „Kriegsopfer“ neu zu definieren. Sie beanspruchen, dass jeder Krieg immer für jeden Beteiligten schrecklich ist und beseitigen damit alle Fragen des wer und warum. Die pazifistischen Deutschen haben bequemerweise die falschen Schlüsse aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen – dass Freiheit und Demokratie nicht militärisch verteidigt werden dürfen. Das kann man in Deutschland ständig hören: dass die Deutschen den Preis von Krieg kennen und ihre Lektion gelernt haben – anders als die naiven, dummen Amerikaner. Mit diesem ihnen selbst dienenden Mythos, nachdem sie einen Krieg begannen, der 50 Millionen Menschen das Leben kostete und der sie säuberte und rein machte, hatten sie die Möglichkeit eine höhere moralische Ebene zu erreichen. So gewinnen die Täter die moralische Überlegenheit über die Sieger. So denken sie zumindest. (Die Ironie besteht darin, dass die meisten Deutschen keine Erinnerung an irgendeinen Krieg haben, während Millionen Amerikaner von den Anstrengungen für den Sieg im Kalten Krieg und nachfolgenden Konflikten betroffen sind.)

Weblog Sicherheitspolitik weiter (Hervorhebung d.d.A.):

Der deutsche Nationalpazifismus artikuliert sich je nach politischem Lager unterschiedlich. Nur Antiamerikanismus ist allen Lagern gemeinsam. Es fällt allerdings auf, wie wenig sich die Parolen in den extremen Teilen des jeweiligen Lagers noch unterscheiden. Langsam dringen diese Diskurse in die Mitte der Gesellschaft vor, wie an den “Vernichtungskrieg”-Vorwürfen Norbert Blüms an die israelische Regierung oder der Beiträgen Jürgen Todenhöfers (beide CDU) erkennbar ist.

Der deutsche Pazifismus hat jedoch keine Zukunft. Er bietet keine Lösungen für reale Herausforderungen an und hat bislang auch kein Problem gelöst oder auch nur eingedämmt. Hätte er sich in den 80er Jahren durchgesetzt, wäre der Ost-West-Konflikt vielleicht anders ausgegangen.

Der Großteil der deutschen Gesellschaft hat die falsche Lehre aus der Vergangenheit gezogen. Pazifismus und Selbstgerechtigkeit mögen für geplagte Seelen einen therapeutischen Zweck erfüllen, aber sie sind keine Grundlage für sinnvolle Politik. Es bleibt zu hoffen, dass Deutschland dies nicht auf die harte Art lernen muß.

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