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Abendlandophobie

Samstag, 11. Februar 2012

Gideon Böss hat diesen Begriff in seinem Blog bei der WELT geprägt. Anlass dafür waren Medienergüsse über das Verhältnis des Westens zum Islam, mit dem die Untaten und das unmäßige, menschenfeindliche Verhalten „des“ Letzteren auf eine Stufe mit dem Westen heruntergedampft wird. Denn (am Beispiel des Tagesspiegel):

Das Hauptproblem ist, dass die Verfasser solcher Beiträge zumeist mit dem Ziel antreten, die angebliche Überheblichkeit des Westens zu demaskieren. So auch der Tagesspiegel-Mann. Der Preis dafür ist hoch, denn um auf Augenhöhe zwischen den Zuständen im Abend- und im Morgenland zu kommen, müssen zum Beispiel die Moslembrüder zu einer normalen Partei geschrumpft und die CDU zu einer religiösen Gefahr aufgeblasen werden, nur damit dann endlich behauptet werden kann, dass es doch überall religiöse Parteien gibt.

Und danach muss der Westen zum aktiven Part erklärt werden. Zwar haben muslimische Terroristen am 11.September 2001 einen Krieg gegen den „Western Way of Life“ begonnen (bzw. schon lange davor, doch bis dahin konnte man es noch erfolgreich ignorieren), aber das beeindruckt den Autoren nicht. Für ihn ist es trotzdem der Westen, der ein Feindbild gesucht hat und im Islam fündig wurde. Das Verbrennen amerikanischer Fahnen, das Stürmen westlicher Botschaften und das Hasspredigen gegen die Verdorbenheit der Ungläubigen, das alles findet zwar im Morgenland der Gegenwart statt und sieht auch irgendwie viel mehr nach Feindbild-Pflege aus, lässt ihn aber trotzdem kalt. Ebenso, dass es alleine auf dem deutschen Literaturmarkt eine unüberschaubare Anzahl an „Faszination Islam“-Belletristik gibt, während sich in saudi-arabischen Buchhandlungen wohl eher selten Werke der Kategorie „Warum ich Christin wurde“ oder „One-Night-Stand und Minirock – Mein Leben nach der Burka“ finden lassen.

Sehr wichtig bei solchen „der Westen ist das eigentliche Übel“-Beiträgen ist es auch, Verhaltensweisen zu hysterisieren, die im Abendland auszumachen sind, während gleichzeitig mit einem Schulterzucken über grausamste Realitäten in muslimischen Ländern/Milieus hinweggesehen wird. Ein Beispiel aus dem Text:

Erst die Hysterie: Der Autor ereifert sich darüber, dass in Islam-Diskussionen in Internetforen doch tatsächlich Koran-Suren zitiert werden. Natürlich macht so etwas nur ein „faschistischer Hetzer“ und es ist völlig klar, woran das erinnert: „Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt der SS […]“. Was bitte daran so verwerflich ist, sich mit einer Religion anhand ihrer religiösen Texte zu beschäftigen, wird nicht verraten.

Und nun das Schulterzucken: Während Internet-User also auf gut Glück zu Faschisten erklärt werden, fällt dem Autoren zu Zwangsverheiratungen nur ein, dass es im Westen „Herz & Schmerz-Geschichten von vergleichbarer Qualität heute nicht mehr gibt.“ Wer einen solchen Menschenhandel zu Herzschmerz verniedlicht, der kann auch in einem Serienvergewaltiger einen hoffnungslosen Romantiker erkennen. Ist ja alles irgendwie gleich.

Die meisten „Westen vs. Islam“-Artikel wollen auch den einen entscheidenden Unterschied nicht erkennen. In islamischen Ländern wie dem Iran, Saudi-Arabien oder Pakistan ist der Islam Staatsreligion und die Scharia (dieser Knigge für Foltermeister) der Leitfaden dafür, wie die Menschen zu leben haben. Da gibt es keinen Pluralismus und Abweichungen werden hart bestraft. Der Westen funktioniert völlig anders, er garantiert die Freiheit im Denken und Handeln und was der Einzelne dann daraus macht, ist seine Sache. Dieses Konzept ist so beliebt, dass Jahr für Jahre Millionen Menschen in die westlichen Staaten einwandern. Vor allem Dingen übrigens Moslems. Umgekehrt ist nicht bekannt, dass es Massen an auswanderungswilligen Finnen, Belgiern oder Australiern in Richtung Jemen gibt.

…Publizisten, die diesen Unterschied nicht sehen wollen, sind abendlandophob.

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