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Generation Schneeflocke / Schneeflocke

Samstag, 14. Januar 2017

„Generation Schneeflocke ist die Bezeichnung für junge Menschen, die emotional sehr verletzlich sind, wenig belastbar und die abweichende Meinungen als persönliche Herabwürdigung empfinden. Sie sehen es als ihr Grundrecht, von allen potenziell unangenehmen Dingen im Leben geschützt zu werden.“

So beschreibt es Tamara Wernli in der Basler Zeitung unter der Überschrift „Invasion der Memmen“ – eine total zutreffende Charakterisierung. Dazu führt sie weiter aus:

Hochschulen sind Förderer dieser «Ich bin das Zentrum des Universums»-Haltung. Wie The Telegraph ­vergangene Woche berichtete, führen immer mehr Universitäten in den USA und England zum Schutze der jungen Seelen Trigger Warnings ein, Warnhinweise bei Bildern oder Texten angesichts möglicher psychischer Belastungen. Der Begriff Trigger Warning stammt aus der Psychologie; mittels Vorwarnungen lassen sich bei Kriegs­veteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen oder Opfern von Sexualverbrechen erneute ­Traumata vermeiden.

Heute besitzt das Wort Trauma eine ganz neue Bedeutung: Weil sie ­«möglicherweise ein negatives Gefühl auslösen können», warnt die Glasgow-­Universität laut der britischen Zeitung ihre Theologiestudenten vor «Bildern von Jesus Kreuzigung». Die Oxford-­Universität warnt ihre Jurastudenten vor «verstörendem Inhalt» bei Lektionen, die sexuelle Gewalt betreffen. Veterinärstudenten werden vor toten Tieren gewarnt. Archäologiestudenten vor Skeletten. Die schottische Stirling-­Universität warnt bei ­Gender-Studien: «Wir können nicht ausschliessen, dass Sie Material ­antreffen, das negative Reaktionen ­auslösen kann, und bitten Sie, die ­nötigen Vorkehrungen zu treffen.» ­Aufgewühlte Studenten dürfen die Lesung verlassen. (Sie können sich dann direkt in Safe Spaces zurückziehen, speziell eingerichtete Komfort­räume, die ihnen ein Gefühl der ­Geborgenheit geben sollen – noch so ein fragwürdiger Trend. Nach dem Trump-Schock schossen diese zeitgenössischen Kuschelzonen an US-Hochschulen laut The Washington Post wie Pilze aus dem Boden.)

Die psychische Verfassung von Schneeflocken gerät auch ins Wanken, wenn jemand eine Ansicht vertritt, die ihrer eigenen Weltanschauung ­widerspricht. Dann formieren sie sich beharrlich in Protestbewegungen, wie vor einigen Wochen gegen Professor Jordan Peterson von der Universität Toronto, der es wagte, auf die Gefahren der Political Correctness hinzuweisen. Oder sie stellen unliebsame Kontrahenten an den Pranger, bis diese ihren ­Posten von selbst räumen – wie im Fall des Yale-Professoren-Ehepaars, das die Verbannung von «potenziell verletzenden» Halloweenkostümen infrage stellte und dafür als rassistisch und kulturell unsensibel gebrandmarkt wurde.

Die totale Abschottung vor negativen Gefühlen, vor Konfrontationen, vor Reizen – immerhin gestattet sie den gebeutelten Seelen, sich ungestört ihren Instagram-Posts und dem Zelebrieren des persönlichen Opferstatus hinzugeben. Wer schützt uns eigentlich vor dieser Generation?

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